black blue and yellow textile

6.4.–16.6.2024
Julia Malgut
[ʃuː] [ʃuː] [ʃuː]

In meist klaustrophobischen Installationen und performativen Aktivierungen thematisiert Julia Malgut das körperliche Erleben sowie die Produktion und Reproduktion von sozial strukturierten Räumen. Ihre Ausstellung in den Vitrinen adaptiert und persifliert die opulente Ästhetik von Konsumräumen und Luxusgegenständen. Im Vordergrund stehen dabei die Materialitäten und Erscheinungsbilder von Konsumgütern, deren symbolischer Wert sich nicht in seiner Funktion äußert, sondern ganz und gar in seiner Äußerlichkeit als relativer, differenzbildender Wert erscheint. Malgut kombiniert und abstrahiert vertraute Materialien und Objekte aus der Mode und dem Innenraumdesign, die kulturell mit Luxus konnotiert sind, und wirft dabei Fragen von Begehrlichkeiten, Exklusivität und sozialer Distinktion auf. Die neu produzierten Arbeiten nutzen und konterkarieren die aufgegriffenen Erscheinungsbilder, sodass neue artifizielle Oberflächenstrukturen entstehen und der Blick auf das Gewohnte entrückt wird. Innen- und Außenliegendes, Hülle und Kern, werden verwoben, die Fassade jedoch bleibt.

Fotos: Maik Gräf
Kunstverein Harburger Bahnhof

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9.12.2023–25.2.2024
Akinori Tao
Jagdspuren

Akinori Tao nimmt in seiner Einzelausstellung in den Vitrinen die Fährte nach menschlichen und tierischen Spuren auf, die im Harburger Bahnhof vorzufinden sind. Ebenso unauffällig wie die Hinterlassenschaften im Bahnhof, erscheinen die künstlerischen Arbeiten als subtile Eingriffe in den Ausstellungsraum. Die flüchtige Geste eines mit dem Finger gemalten Herzens in die Kondensationstropfen des eigenen Atems wird in Taos Arbeit zur dauerhaften Installation. Das Spannungsverhältnis von ephemeren Momenten, die durch klassisch skulpturale Techniken künstlich gemacht werden, spiegelt sich auch in den drei weiteren Arbeiten wider. Diese zeigen konzeptuelle, assoziative Praktiken der Jagd: eine Spielkarte als Fliegenklatsche mit Schwalbenmotiv, dem natürlichen Feind von Insekten und ein Fanggerät für Mäuse. Die Ausstellung fächert humorvoll den Moment der Täuschung auf. In dem Prinzip der Mimikry zeigt sich eine Gemeinsamkeit von Kunst und passiver Jagd: Die Repräsentation des in der Welt Vorgefundenen. Zu sehen sind die Spuren einer Jagd, ob diese erfolgreich war, bleibt offen.

Fotos: Maik Gräf
Kunstverein Harburger Bahnhof

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8.7.–15.10.2023
On track

Die Ausstellung zeigt künstlerische Arbeiten von mehr als 60 Kindern und jungen Erwachsenen aus Harburg, die der Frage „Was bewegt euch?“ nachgegangen sind. In Videos, Musik, Malereien und Skulpturen geben die jungen Künstler:innen Einblicke in ihre Lebenswelten und entwerfen persönliche und gesellschaftliche Zukunftsperspektiven. Der künstlerische Prozess wurde von unterschiedlichen Einrichtungen und Trägern der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe begleitet, deren Arbeit in der Ausstellung ebenfalls sichtbar gemacht wird.

Die Ausstellung wurde von Celina Bosco (Straßensozialarbeit Harburg-Kern) initiiert und mit Marie Kuhn (Kunstverein Harburger Bahnhof) in Kooperation mit den folgenden sozialen Einrichtungen entwickelt: AWO Jugendclub Heimfeld e.V., Dolle Deerns e.V. Mädchen*treff Harburg, Elternschule Harburg, Freizeitzentrum Feuervogel, Gangway e.V., Haus der Jugend Harburg, Jugendclub Blechkiste, KAMI e.V. und StadtteilEltern, Kindertreff Heimfeld, Kinderzentrum Kennedy-Haus, Niels-Stensen-Gymnasium, StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt e.V., Straßensozialarbeit Harburg-Kern.

Fotos: Maik Gräf
Kunstverein Harburger Bahnhof

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10.12.2022–22.3.2023
Masha Silchenko
Nothing Ever Happened

Die Arbeiten von Masha Silchenko kreisen um Introspektion, traumhafte Erscheinungen und chimärische Verbindungen. Ihre Zeichnungen und Malereien thematisieren die Nacht als Zufluchtsort für magische Wesen. Geister werden zu Gefährten in der Dunkelheit. Fragile Keramikskulpturen haben Augen und Flügel. Immer wieder tauchen freistehende Häuser auf, umgeben von Schattengewächsen mit spärlich beleuchteten Fenstern. Silchenkos Fokus auf Sicht- und Unsichtbarkeiten und ihre intensive Beschäftigung mit Licht und Schatten zeigt sich nicht allein in den Motiven, sondern auch in den Materialien und der Installation ihrer Arbeiten. Auf Leinwandstoffe werden poetische Texte, Gedanken und Geschichten mit Bleichmittel geschrieben, darüber lasierende Farbschichten angelegt. Im Zusammenspiel unterschiedlicher kunsthandwerklicher Techniken wie Keramik, Illustration und Wandteppichen entwickelt Silchenko eine eigene Welt fantastischer Figuren. Gemeinsam mit Björn Eichhorn produziert die Künstlerin eine Soundarbeit basierend auf Field Recordings, die von Besucher:innen digital aufgerufen und unterwegs angehört werden kann.

23.2.2023
Björn Eichhorn und Masha Silchenko
Nothing Ever Happened…Listening Session

Fotos: Maik Gräf
Kunstverein Harburger Bahnhof

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3.9.–20.11.2022
Torben Wessel
Keine Ideen?

Torben Wessel reflektiert das Format der Vitrinen in ihrer ursprünglichen Funktion als Marketinginstrument. Hierfür installiert er hölzerne Repliken von Reklametafeln, die im Bahnhofkontext auftreten. Im Gegensatz zu digitalen Werbe- und Wechsellichtanlagen, die ein hohes Maß an Aufmerksamkeit generieren, fügen sich die Tafeln subtil in die Umgebung ein. Die Werbeflächen werden durch Flyer beworben und können von lokalen Unternehmen günstig gemietet werden. Alle Einnahmen fließen in das Preisgeld eines Bingoabends. In dokumentarischen Fotografien, die als eine Art Platzhalter dienen, greift Wessel das auch von ihm verfolgte rekursive Prinzip der „Werbung für Werbung“ auf. Die Ausstellung thematisiert auf welche Weise der Imperativ zur Selbstvermarktung im öffentlichen Raum sichtbar wird und hinterfragt zugleich seine Rolle in der Kunst.

6.11.2022 / Torben Wessel / Bingoabend


www.keineideen.de

Fotos: Maik Gräf
Kunstverein Harburger Bahnhof

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4.6.–14.8.2022
Jil Lahr
Things That Found No Space

Die künstlerische Praxis von Jil Lahr ist geprägt von einer Faszination für das Sammeln. In ihren Installationen werden gefundene Gegenstände zusammengetragen und spielerisch neu arrangiert. Das Auswählen, Zusammenführen und Aufbewahren von Objekten kann als Zeugenschaft der eigenen Beobachtung dienen, bringt aber auch neue Ordnungs- und Wissensformen hervor. Die Vitrinenausstellung widmet sich einer persönlichen Sammlung, die auf besondere Weise mit dem Ausstellungsort verknüpft ist. Es werden Souvenirgegenstände gezeigt, die Urlaubsziele symbolisch repräsentieren und den flüchtigen Eindrücken einer Reise etwas Dauerhaftes verleihen. Dabei wird das Vorhaben, eine individuelle Erfahrung materiell festzuhalten, durch die Massenproduktion von austauschbaren Souveniren ad Absurdum geführt. Als pflichtschuldig gekauftes Mitbringsel dient es bestenfalls als Andenken, oftmals wird es jedoch zu überflüssigem Nippes. Die Installation verleiht den Gegenständen auf humorvolle Weise ein neues Bedeutungsgefüge.

1.7.2022 / Taverne Des Voyageurs
mit dem Dreiländereck Trio (Jil Lahr, Maximilian Scholl und Eliza Wagener)

Fotos: Maik Gräf
Kunstverein Harburger Bahnhof

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Antikörper
Junge Kunst aus Belarus
Антыцелы. Маладое мастацтва з Беларусi
2.10.–10.10.21

Die Ausstellung reflektiert die gesellschaftspolitischen und kulturellen Transformationsprozesse in Belarus. Jahrelang wurde Belarus in den deutschen Medien als die “letzte Dikatatur Europas” bezeichnet. Im Zuge der Proteste 2020 entstand eine neue Aufmerksamkeit für das friedliche und mutige Aufbegehren der Zivilbevölkerung gegen die Regierung. Die Proteste haben solidarische Gemeinschaften und neue künstlerische Allianzen entstehen lassen.

Die Künstler:innen eeefff (Dzina Zhuk und Nicolay Spesivtsev), Ihar Hancharuk, Anastasia Mirontsava, Daria Sazanovich / Sheeborshee, Varvara Sudnik, Aliaxey Talstou und Tasha Arlova hinterfragen in der Ausstellung die Herrschaftsbeziehungen der belarusischen Vergangenheit und verfolgen deren Spuren bis in die Gegenwart.

Künstlerische Leitung: Marie Kuhn und Kristina Savutsina

Fotos: Dmitrij Leltschuk und Julian Slagman

Westwerk Hamburg

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10.7.–15.8.2021
Florian Deeg
Jáno Möckel
Leerlauf und: Warten auf Durchzug

In ihrer Ausstellung in den Vitrinen des Kunstvereins beschäftigen sich Florian Deeg und Jáno Möckel mit dem Vergessen von Orten, Gegenständen und menschlichen Begegnungen. Dabei hinterfragen sie den doppelten Charakter von Vitrinen, einerseits als museale Präsentationsform für Kunst und andererseits als Werbeformat für Waren des Konsums. In ihrer multimedialen Installation verbinden Deeg und Möckel den Konservierungsprozess von Erinnerung mit der Ästhetik des Verfalls. Dafür eignen sie sich Gegenstände und Orte des Alltags an. Die vertraut wirkenden Objekte und Räume werden durch Verfremdung des Materials oder ungewohnte Perspektiven surreal inszeniert. Hinter den Glasscheiben der Vitrinen wirken sie dem Alltagsleben seltsam entrückt.

Fotos: Maik Gräf
Kunstverein Harburger Bahnhof